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Energiekrise: Grün statt grau

23.03.2026
Die Abhängigkeit Italiens vom Energieträger Gas wird - angesichts des Kriegs am Persischen Golf und volatiler Einkaufspreise an den internationalen Gasbörsen - erneut zu einem Problem für die nationale Energiesicherheit. Laut einem Positionspapier des italienischen Klima-Think Tanks ECCO könnte Italien innerhalb von nur zwölf Monaten mehr als 85 Prozent seines aktuellen Bedarfs an katarischem Flüssiggas strukturell ersetzen - durch den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien, Effizienzmassnahmen und die Elektrifizierung von Verbrauchssektoren. Für die verbleibenden 15 Prozent ist demnach keine neue Infrastruktur notwendig: Bestehende Importkapazitäten reichen vollständig aus, um diese Versorgungslücke zu schließen.

Die Ausgangslage ist laut ECCO weniger kritisch, als es auf den ersten Blick scheint. Italien importiert pro Jahr 6,4 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas aus Katar, und diese Menge entspricht etwa einem Drittel der italienischen LNG-Einfuhren und zehn Prozent der gesamten italienischen Gasimporte. Das ist zwar eine relevante Größenordnung, aber dennoch keine dominante Abhängigkeit. Ein zusätzliches Volumen von 1,5 Milliarden Kubikmetern, dessen Import der Energiekonzern Eni und QatarEnergy für 2026 vereinbart haben, wurde von Katar inzwischen kriegsbedingt aufgrund von "höherer Gewalt" storniert.

Seit der Energiekrise 2022 hat sich die Struktur der Gasversorgung grundlegend verändert. 2021 kamen 38 Prozent aller italienischen Gaseinfuhren aus Russland, lediglich drei Prozent aus Nordeuropa und nur 13 Prozent wurden als LNG nach Italien verschifft. Inzwischen ist der Flüssiggasanteil auf 32 Prozent angewachsen. Die USA und Katar dominierten im ersten Halbjahr 2025 mit Anteilen von 48 und 36 Prozent diese LNG-Importe. Parallel dazu hat Italien seine Infrastruktur ausgebaut und verfügt inzwischen über eine Regasifizierungskapazität von rund 28 Milliarden Kubikmetern jährlich. Aktuell werden diese Anlagen jedoch nur zu etwa 70 Prozent ausgelastet – ein technischer Spielraum, der kurzfristig genutzt werden könnte.

Trotzdem bleibt die Verwundbarkeit hoch. Die starke Abhängigkeit von Importen und die enge Kopplung des Stromsektors an das Gas machen Italien anfällig für Preisschocks und geopolitische Krisen. Laut ECCO könnte der Ausbau erneuerbarer Energien um zehn Gigawatt jährlich – wie im nationalen Energie- und Klimaplan vorgesehen – den italienischen Gasverbrauch um 2,5 Milliarden Kubikmeter senken und diese Reduzierung entspricht rund 40 Prozent der gesamten katarischen Gaslieferungen. Zwischen 2021 und 2025 betrug dieser Ausbau allerdings nur bei etwa sechs Gigawatt pro Jahr. Daher bestehe "erheblicher Nachholbedarf", insbesondere bei den Genehmigungsverfahren und der Planungssicherheit für Investoren.

Das Positionspapier listet weitere Einsparpotenziale auf wie Effizienzmaßnahmen im Gebäudemanagement und in der Industrie, die Steigerung der Produktion von Biomethan, der Ersatz von Gaskesseln durch Wärmepumpen – 2023 wurden in Italien rund 400.000 dieser Geräte verkauft – und Energiesparkampagnen. Ein Restbedarf kann laut ECCO durch bestehende Pipelineverbindungen mit Algerien und Libyen gedeckt werden. Allerdings hat der Umfang der Exporte aus diesen Ländern strukturelle Grenzen: Algerien exportiert jährlich rund 20 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich nach Italien, kann aber aufgrund der wachsenden Inlandsnachfrage und einer veralteten Infrastruktur kaum expandieren. Libyen spielt - aufgrund politischer Instabilität und sinkender Exportkapazitäten – mit Ausfuhren von weniger als einer Milliarde Kubikmeter nur eine Nebenrolle. 

Unterdessen setzt die  italienische Regierung ihre Bemühungen, die nationalen Gasimporte mit strategischen Partnerschaften in Nordafrika zu diversifizieren, fort. Am 25. März reiste Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nach Algerien. Die energiepolitische Zusammenarbeit der beiden Länder soll in Zukunft auch auf das Fracking (die Förderung von Erdgas aus dichten Gesteinsschichten in großer Tiefe ) und Offshore-Bohrungen ausgeweitet werden. Zahlen belegen die Bedeutung dieser Kooperation: 2025 kamen 31 Prozent aller italienischen Gaseinfuhren aus Algerien, das damit Russland als wichtigsten Gaslieferanten abgelöst hat. Die Transmed-Pipeline, die seit den 1980er-Jahren algerische Gasfelder mit Sizilien verbindet, rückt das Mittelmeer vor allem seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs in den Mittelpunkt italienischer Energiestrategien.

ECCO wurde Anfang 2021 als Italiens erster unabhängiger, gemeinnütziger Think Tank zu Klimawandel und Energie gegründet. Der Link zum Positionspapier 

 
 
 
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