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EEG: Die Positionen des SEV

17.07.2025
Ist das der Beginn eines italienweiten Booms? Im April 2025 gab es – vor allem in den norditalienischen Regionen – 587 aktive Initiativen des individuellen und kollektiven Eigenverbrauchs von elektrischer Energie. Das sind 240 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Darunter befinden sich auch 212 Energiegemeinschaften, die gemeinsam „grünen” Strom produzieren und verbrauchen. In Südtirol sind inzwischen zehn Energiegemeinschaften entstanden, die  – bis auf die Landeshauptstadt Bozen – alle Südtiroler Bezirksgemeinschaften abdecken. Damit können sich (fast) alle Südtirolerinnen und Südtiroler einer Energiegemeinschaft anschließen. 

Schon im Mai sind Vertreterinnen und Vertreter von neun Südtiroler Energiegemeinschaften (Energiegemeinschaft und Bürgergenossenschaft Burggrafenamt EBB, EEG Energie Vinschgau Venosta Evi, EEG Pontives, EEG Tauferer Ahrntal, EEG Pustertal, EEG Jenesien Plus, EEG Sarntal Plus, EEG Alta Badia, EEG Icarus) mit Energielandesrat Peter Brunner und Ressortdirektor Alexander Gruber zu einem ausführlichen Gespräch zusammengetroffen. Der SEV – der dieses Meeting organisiert hat – nahm mit dem Präsidenten Thomas Gasteiger, dem Geschäftsführer Matthias Obrist sowie mit den Mitarbeiterinnen Silvia Schmiedhofer und Petra Dantone (SEV-Raiffeisen Energy) ebenso an dem Meinungsaustausch teil wie auch der Südtiroler Bauernbund SBB.  Der Südtiroler Energieverband unterstützt und berät Energiegemeinschaften. Einige Aspekte sollten aber beachtet werden:

Energiegemeinschaften sind autonome juristische Personen, die von ihren Mitgliedern kontrolliert werden - und somit auf den wachsenden Wunsch nach partizipativen Wegen zur Organisation und Steuerung von nachhaltigen Energiesystemen reagieren. Eine Energiegemeinschaft hat den Zweck, gemeinsam erneuerbare Energie lokal zu erzeugen und  – im Bereich eines Umspannwerks, das den Strom aus der Hochspannung in Mittelspannung umwandelt – zeitgleich gemeinsam zu verbrauchen. In Südtirol gibt es 38 Primärkabinen, in ganz Italien sind es 2.107. Wirtschaftliche Vorteile stehen hier also – trotz der staatlichen Förderungsangebote – nicht im Mittelpunkt, sondern soziale, ökologische und auch idealistische Werte.

Die Erzeugung und der Verbrauch von Strom in einer Energiegemeinschaft erfolgen virtuell. Die Mitglieder - wie etwa Privatpersonen, kleine und mittlere Unternehmen oder auch Gemeinden – beziehen ihren Strom weiterhin aus dem Netz oder speisen die von ihnen erzeugte Energie in das Netz ein. Auch der Stromversorger muss nicht gewechselt werden.  Wenn eine Energiegemeinschaft ein bestimmtes Gebiet abdeckt, hat es keinen Sinn, im selben Gebiet eine zweite Energiegemeinschaft zu gründen. Die Führung von Energiegemeinschaften kostet Geld – und je geringer diese Verwaltungskosten sind, desto besser. 

Je mehr Energie in den Energiegemeinschaften erzeugt und gleichzeitig von deren Mitgliedern verbraucht wird, desto höher sind die Förderungen. Die Mitglieder einer Energiegemeinschaft haben also ein Interesse daran, den Strom zu verbrauchen, wenn er im Rahmen der Gemeinschaft produziert wird und zur Verfügung steht. Diese Verhaltensänderungen sind wichtig, weil sie sich im Alltag an die Volatilität erneuerbarer Energien optimal anpassen. 

Energiegemeinschaften tragen zudem zur Stabilisierung der Stromnetze bei, denn elektrische Energie, die im Einzugsbereich einer Primärkabine erzeugt und verbraucht wird, muss nicht über Hochspannungsleitungen in andere Regionen transportiert werden. Der geringere Bedarf an Energietransfers über große Entfernungen minimiert Netzverluste und Überlastungsrisiken, indem Nachfragespitzen vermieden und das Risiko einer Überlastung reduziert werden. Ein wichtiger Vorteil: Schließlich gehört der schleppende Ausbau der Verteilernetze zu den zentralen Hemmnissen der Energiewende in Europa. 

Bilder:

Teilnehmende am Treffen mit Landesrat Brunner (von links nach rechts):
Werner Gadner, EBB Burggrafenamt
Pascal Vullo, Südtiroler Bauernbund
Petra Dantone, Südtiroler Energieverband / Raiffeisen Energy
Luca Daprà, EEG EVi
Silvia Schmiedhofer, Südtiroler Energieverband
Ulrich Gamper, EEG Burggrafenamt
Daniela Mittelberger, EEG Burggrafenamt
Michael Wunderer, SEV / EEG EVi
Landesrat Peter Brunner
Nikolaus Kerschbaumer, EEG Pontives
Georg Altstätter, EEG EVi
Thomas Gasteiger, EEG Tauferer Ahrntal / Südtiroler Energieverband
Sepl Miribung, EEG Pustertal
Thomas Klammer, EEG Jenesien Plus
Andreas Gross, EEG Sarntal Plus
Ressortdirektor Alexander Gruber
Tomas Caracristi, Energiegemeinschaft / CER Alta Badia
Walter Baumgartner, EEG Isarcus
Matthias Obrist, Südtiroler Energieverband





 
 
 
 
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